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MEINE ÜBERZEUGUNG:

Jede Person besitzt einen unschätzbaren Wert. Das besondere Wesen dieser Person zu entdecken, wertzuschätzen und zu fördern, sehe ich als meine Aufgabe.

FRANK NEUENHAUSEN

 

 

 

 

Artikel im "Blickpunkt" Wochenzeitung Kreis Euskirchen

Und wer spricht auf meiner Beerdigung?

Sind Trauerredner eine Alternative zum Pfarrer? Bericht eines Insiders.

Es muss nicht immer der Pfarrer sein, der eine Traueransprache hält.  Kirchliche Würdenträger geben ihr Bestes, Angehörige in ihrer Trauer zu begleiten und sind im Regelfall die erste Wahl für Kirchenmitglieder. Aber viele Menschen gehören nicht mehr zu einer Kirche oder wünschen sich eine andere Form der Ansprache bei einer Beerdigung.

Persönlich soll die Rede sein, angemessen, gut zum Zuhören, lebendig. Frauen und Männer mit Feingefühl, Erfahrung im Umgang mit Menschen und einem Gespür für angemessene Worte bieten dazu ihre Dienste an. Die Mischung aus echter Anteilnahme und notwendiger Distanz ist für Trauerredner eine Herausforderung.

„Ich war positiv überrascht“, sagte mir eine Frau nach einer Traueransprache. „Ich hatte mir schlimmes Blabla vorgestellt, aber es war eine sehr persönliche, würdige Rede.“ Ein anderer bedankt sich nach der Beerdigung einer beliebten jungen Frau, die tragischerweise jung verstorben war: „Ich fand es gut, dass sie auf Geschwafel verzichtet haben.“

Angemessene Reden fallen nicht vom Himmel. Eine ansprechende und dem Verstorbenen gegenüber passende Trauerrede kommt nur zustande, wenn ich mit den Angehörigen einen guten Austausch über die verstorbene Person habe.  In der Regel kenne ich den oder die Tote nicht und muss mir aus den Schilderungen von Nahestehenden ein Bild machen können.

In diesen Vorgesprächen werden nicht nur biographische Zahlen zusammengetragen. In ihnen wird deutlich, was für ein Wesen der Verstorbene hatte und wie viel er der Nachwelt an eindrücklichen Erinnerungen hinterlassen hat. Dieses intensive Erzählen wird von vielen Hinterbliebenen als wertvolle Zeit der gemeinsamen Erinnerung empfunden und sollte zeitlich nicht von vornherein begrenzt werden. Häufig ist der Charakter des Verstorbenen ein Thema. Freundlich, großzügig, liebevoll, aber auch geizig, starrsinnig oder machtbesessen können als Eigenschaften genannt werden.  Was letztendlich Inhalt der Ansprache wird und was nicht, stimmt der Redner eng mit der Familie ab. Nicht alles, was gesagt wurde, ist für die Öffentlichkeit bestimmt. Das muss vorab geklärt sein.  Eine ehrliche Darstellung der Qualitäten und Schwächen des betreffenden Menschen kommt jedoch in der Regel mehr an, als eine glattgebügelte Biographie. Werden auch die Patzer des Lebens erwähnt, stellen die Zuhörer befriedigt fest: Dieser Mensch war einer von uns.

Der Trauerredner ist an keiner Stelle zu einer moralischen Bewertung eines Lebens befugt. Der Tag des Abschieds von einem Leben ist schließlich kein Gerichtstermin. Weder benötigt der Verstorbene eine Belehrung noch eine Bewertung. Es sind gerade die kantigen und manchmal grenzwertigen Geschichten einer Biographie, die noch einmal die Besonderheit und Einzigartigkeit eines Menschen deutlich machen. Sie dürfen ihren Platz im Moment des Abschieds finden.

Schmunzelgeschichten sind ebenfalls erlaubt. Warum nicht auch mal Lachen bei einer Beerdigung? Ein Lächeln kann in der Anspannung einer Trauerfeier wie eine Erlösung wirken, wenn der Redner angemessen ein heiteres Ereignis zu schildern weiß. Manchmal wird auch eine Ansprache in Mundart gewünscht. Es gibt Trauerredner, die diesen Wunsch bedienen können.

Seit einigen Jahren ist das gesamte Bestattungswesen nicht mehr so streng wie früher und offen für neue Formen. Darin liegt die Chance, einen Abschied mit vielen Elementen zu gestalten: Musik, persönliche Beiträge der Angehörigen, ein Gedicht, eine Schweigeminute. Trauerredner fügen alles zu einem runden Ablauf zusammen und erstellen einen Ablaufplan. So weiß ggf. der Techniker genau, wann welches Lied zu spielen ist und die Träger kommen genau dann zum Einsatz, wenn sie gebraucht werden. Auch hier gilt jedoch: Pannen gehören zum Leben, - und genauso zum Tod. 

Wer in der Trauerrede Wert auf christliche Nachtodperspektiven und Bibelauslegungen legt, aber kirchliche Institutionen ablehnt, muss nicht denken, dass Trauerredner grundsätzlich Atheisten sind. Es gibt einige, die früher Pfarrer oder Diakone waren oder sich einfach zum Glauben bekennen. Ich gehöre auch dazu. Selbstverständlich singen sie auf Wunsch mit den Anwesenden aus christlichen Gesangbüchern, beten ein Vater Unser, greifen für die Rede auf Taufsprüche zurück und sprechen am Grab einen Abschiedssegen. Niemand muss auf solche Formen also verzichten, wenn sie gewollt sind.    

Die Kosten für einen Trauerredner oder eine Trauerrednerin liegen in der Regel zwischen 250 und 500 Euro plus Fahrkosten und Mehrwertsteuer. Auch Honorare von 800 Euro sind schon gezahlt worden. Man bedenke, dass der Redner mit Fahrzeiten, Vorgespräch, Rede Schreiben und der gewünschten Anwesenheit zum Nachkaffee schon mal 10 – 15 Stunden Zeit investiert. Ein „Mundwerker“ ist wie ein Handwerker ein Spezialist auf seinem Gebiet und muss mit dem Honorar auch Tage abdecken, an denen er nicht gebucht wird.